Arnold-Bode-Preis für Wajukuu Art Project

An seine dunkle Rauminstallation aus rostigen Wellblechplatten in der documenta-Halle werden sich viele Besucherinnen und Besucher der documenta fifteen noch eindrücklich erinnern: Nun erhält das Kollektiv Wajukuu Art Project den mit 10.000 Euro dotierten renommierten Arnold-Bode-Preis 2022.

Poetry Art und Civic in Kuba. Das Foto entstand während eines Workshops mit dem Schriftsteller Rafael Almanza im April 2018

Das hat der Magistrat der Stadt Kassel als Vorstand der Arnold-Bode-Stiftung auf Vorschlag des Kuratoriums beschlossen, teilte Kulturdezernentin Dr. Susanne Völker mit und führte aus: „Die 2004 von Künstlerinnen und Künstlern initiierte gemeinschaftliche Organisation Wajukuu Art Project bietet in Mukuru - einem der Slums der kenianischen Hauptstadt Nairobi - Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich in einer durch Armut und Kriminalität bestimmten Umwelt durch künstlerische Angebote einzubringen, zu entfalten und als Gemeinschaft zu entwickeln. Ich freue mich, dass wir in diesem Jahr den renommierten Preis an Wajukuu Art Project verleihen können. Damit folgt das Kuratorium dem Leitgedanken der documenta fifteen, Kollektive mit gemeinwohlwirksamer künstlerischer Arbeit als eine spezifische Organisations- und Produktionsform herauszustellen.“

"Transform yourself"

Mit seinem Beitrag zur Weltkunstausstellung hatte das Wajukuu Art Project den Besucherinnen und Besuchern das prekäre Umfeld aus Wellblechhütten drastisch vor Augen gemalt und ihren ausgestellten Werken ein stimmiges Ambiente geboten. Bereits das Betreten der documenta-Halle durch einen dunklen Tunnel mit einer Klangkulisse aus Motorengeräuschen und Sirenengeheul versetzte die Besucherinnen und Besucher in die Lebenswirklichkeit des Kollektivs. In den im Ausstellungsraum gezeigten Bildern und Skulpturen gingen für den Mukuru-Slum typische Materialien und zeitgenössische Formsprache eine aktuelle Symbiose ein; beispielsweise in einer auffallenden Readymade-Skulptur auf Basis abgenutzter Messer, die gleichermaßen bedrohlich wie beeindruckend wirkte.

Eine Filmdokumentation macht deutlich, dass Wajukuu Art Project künstlerische Praxis trotz des sozialen Engagements nicht als sozialpädagogisch versteht, sondern künstlerisch ambitionierte Maßstäbe setzt. Doch ist die Devise: transform yourself into what you want to be – not necessarily an artist. Ein übergeordnetes Ziel der Gesamtinstallation von Wajukuu Art Project war es, mit den Besucherinnen und Besuchern der documenta fifteen in Dialog zu treten und einen Rahmen für Austausch zu bieten. 

Aus der Teilnahme an der documenta fifteen möchte Wajukuu Art Project das Nachhaltigkeitsprojekt „Killing Fear of the Unknown“ ableiten und in Mukuru einen dauerhaften und kollektivbasierten Projektraum schaffen, deren Mitglieder finanziell gefördert werden können und in dem jungen Teilnehmenden in Holzwerkstätten Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden. Das Preisgeld wird zu gleichen Teilen von der Kasseler Sparkasse und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen finanziert. Die Preisverleihung ist für Anfang 2023 geplant.

Preis, Stiftung, Kuratorium

Der Arnold-Bode-Preis der documenta-Stadt Kassel wird seit 1980 an Künstlerinnen und Künstler in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen für die Kunst der Gegenwart verliehen. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ist nach dem documenta-Gründer Arnold Bode benannt und wurde von 1980 bis 1988 jährlich, seitdem meist zweijährig, aber obligatorisch in einem documenta-Jahr, verliehen. Eine documenta‐Teilnahme ist dafür nicht die Voraussetzung, documenta‐Niveau aber Maßstab der Entscheidung. Die Verleihung findet in der Regel in den Räumlichkeiten des Kasseler Kunstvereins in Zusammenhang mit einer Ausstellung der jeweiligen Preisträger statt.

Die Arnold‐Bode‐Stiftung wurde 1978 von der Stadt Kassel ins Leben gerufen. Das Grundkapital der Arnold-Bode-Stiftung entstammt Kunstwerken, die Arnold Bode von documenta-Künstlern anlässlich seines 75. Geburtstages im Jahr 1975 geschenkt wurden. Der Zweck der Stiftung liegt in der Förderung von Kunst und Kultur, insbesondere durch Vergabe des Arnold-Bode-Preises. 

Dem Kuratorium gehören entsprechend der Stiftungsverfassung ein Mitglied der Familie Bode, ein Finanzsachverständiger sowie drei Kunstsachverständige an. Die Mitglieder sind jeweils für fünf Jahre im Amt. Es sind dies derzeit Ingo Buchholz, Prof. Heiner Georgsdorf (Vorsitzender), E.R. Nele, ruangrupa, Prof. Dr. Julia Voss. Das Kuratorium tagt gemeinsam mit Kulturdezernentin Dr. Susanne Völker, die den Stiftungsvorstand vertritt.