Impfzentrum geschlossen - tragende Säule der Impfkampagne

Nach mehr als neunmonatigem Betrieb und fast 196.000 Corona-Impfungen schließt das Impfzentrum der Stadt Kassel in der Großsporthalle Auepark am 30. September seine Türen.

Oberbürgermeister Christian Geselle vor der Öffnung des Impfzentrums

Mittlerweile können über 60 Prozent der Kasseler Bevölkerung auf einen vollumfänglichen Impfschutz vertrauen, den sie im Impfzentrum Kassel erhalten haben. „Das Impfzentrum war in den vergangenen Monaten einer der wichtigsten Orte in Kassel und eine tragende Säule der Impfkampagne“, sagte Oberbürgermeister Christian Geselle. „Mein Dank gilt dem kompletten Team im Impfzentrum Kassel, das durch kompetente Arbeit sowie das freundliche und hilfsbereite Auftreten für eine angenehme Atmosphäre und einen reibungslosen Ablauf gesorgt hat. Sie haben für den Gesundheitsschutz der Kasseler Bevölkerung eine große Bedeutung. Geimpfte Personen fühlen sich heute geschützter als noch zu Jahresbeginn. Die Dankbarkeit und die Erleichterung der geimpften Personen wurde mir in vielen Briefen und Mails widergespiegelt - das ist für alle Beteiligten die schönste Anerkennung.“ 

Insgesamt wurden über 102.510 Menschen im Impfzentrum Kassel beziehungsweise durch mobile Teams geimpft. Dabei wurden 96.311 Erst-, 95.022 Zweit- und 4.194 Auffrisch-Impfungen verabreicht. Bei den Impfungen kam 132.285 Mal der Wirkstoff von Biontech zum Einsatz. Das Vakzin von Moderna wurde 29.130 Mal verimpft, AstraZeneca 27.912 Mal und Johnson & Johnson 6.200 Mal. 

Innerhalb weniger Tage betriebsbereit

Innerhalb weniger Tage wurde nach dem Einsatzbefehl des Landes Hessen auch in Kassel ein zentrales Impfzentrum errichtet. In der Kürze der Zeit hat die Stadt mit der Großsporthalle Auepark die aufgrund der guten Lage, Erreichbarkeit und Größe am besten geeignetste Liegenschaft für diese Mammutaufgabe ausgewählt, sagte Geselle. Das Impfzentrum einzurichten und das dafür notwendige Personal zu gewinnen, sei eine große Herausforderung gewesen, erklärte der Oberbürgermeister. Dazu habe er eine besondere Aufbauorganisation (BAO) „Impfen“ eingerichtet, die aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterschiedlicher Bereiche der Verwaltung bestand. Geleitet wurde die BAO von Thomas Schmidt, stellvertretender Leiter der Feuerwehr, seine Vertreterin war Martina Pfeffermann, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes. Die medizinische Leitung im Impfzentrum übernahm Torsten Müller vom Kasseler Klinikum. Der Mitarbeitendenpool im Impfzentrum insgesamt bestand aus etwa 900 Personen. Jeden Tag waren durchschnittlich 65 Mitarbeitende im Einsatz - darunter Ärzte, Apotheker, medizinisches Personal und Verwaltungsmitarbeiter. Es gab im gesamten Zeitraum 18.800 Schichten von montags bis sonntags zwischen 8 bis teilweise 23 Uhr. Das Impfzentrum Kassel war seit dem 11. Dezember 2020 einsatzbereit und ausgelegt für rund 2.000 Impfungen am Tag. Die meisten Impfungen wurden am 14. Mai 2021 verabreicht. Insgesamt 1.630 Menschen erhielten an diesem Tag im Impfzentrum und durch mobile Teams eine Injektion. Die jüngsten Impflinge kamen an ihrem 12. Geburtstag für ihre Erstimpfung in das Impfzentrum. Die ältesten Personen waren bei ihrer Impfung 105 Jahre alt. 

Erste Impfungen in Kassel direkt nach Weihnachten

Gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut und der Impfverordnung des Bundes wurden in Hessen zunächst in den Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie in den sieben hessischen Covid-19-Schwerpunktkrankenhäusern mit den Schutzimpfungen begonnen. „Am 2. Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, traf der erste Impfstoff in Kassel ein. Nur einen Tag später konnten die mobile Impfteams, die an das Impfzentrum angegliedert waren, in Kasseler Alten- und Pflegeheimen die ersten 120 Dosen verimpfen“, erinnerte Geselle. Die älteste geimpfte Bewohnerin an diesem Tag war dabei 101 Jahre alt. 

Zu Beginn das Impfzentrum für die gesamte Region

Als eines von sechs regionalen Impfzentren in Hessen hat das Impfzentrum der Stadt Kassel am 19. Januar 2021 offiziell seinen Betrieb aufgenommen. Zunächst konnten sich alle berechtigten Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Kassel sowie der Landkreise Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner nach vorheriger Terminvereinbarung über das Terminportal des Landes Hessen impfen lassen. Berechtigt waren Personen, die die der höchsten Priorisierungsgruppe nach der Corona-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums angehörten. Dazu zählten Menschen, die älter als 80 Jahre waren, sowie Rettungskräfte. Mit der Öffnung aller lokalen Impfzentren in Hessen ging das Impfzentrum der Stadt Kassel ab dem 9. Februar in den Regelbetrieb über. „Anfangs standen wir alle vor dieser unbekannten, immensen Herausforderung. Heute können wir resümieren: Angesichts der zahlreichen Unwägbarkeiten und der vielen Hürden wie der Impfstoffknappheit im ersten Halbjahr in Deutschland und der damit zusammenhängenden schleppenden Terminvergabe haben wir die Aufgabe mit Bravour gemeistert“, zog Geselle Bilanz. 

Impf-Taxi für Ü-80jährige

Die Stadt Kassel stellte Bürgerinnen und Bürgern ab 80 Jahren, die beschränkt mobil waren und nicht in eigener Regie das Impfzentrum erreichen konnten, ein Taxi für eine kostenlose Hin- und Rückfahrt zur Verfügung. „Uns war wichtig, dass Kasseler Bürgerinnen und Bürger, die nicht mehr selbst mobil waren, nicht von Angehörigen oder Freunden gebracht werden konnten und deren Krankenkasse eine Fahrt nicht bezahlte, so unkompliziert zu ihrer ersehnten Corona-Impfung gelangten“, erklärte Geselle. Diesen besonderen Service nahmen insgesamt rund 950 Bürgerinnen und Bürger dankbar in Anspruch.

Sonder-Impftage für systemrelevante Gruppen

Im späteren Verlauf, während verschiedener landesweiter Sonder-Impftage für systemrelevante Berufsgruppen, wurde ebenso das Personal der Kliniken, Kindergärten, Schulen und Arztpraxen im Impfzentrum Kassel geimpft. Das waren mitunter Personen, die in Kassel arbeiten, aber ihren Wohnort in der Region haben. Insgesamt wurden so 34.412 Menschen aus den umliegenden Landkreisen durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Impfzentrums Kassel und der mobilen Teams geimpft. 

Impfaktionen in Stadtteilen

Insgesamt haben die Mitarbeitenden des Impfzentrums 397 Sonder-Impfaktionen vor allen mit mobilen Teams geplant und durchgeführt. Die ersten Impfaktionen in den Stadtteilen konnten in Kassel am 17. und 18. Juli in Rothenditmold und Waldau angeboten werden. Am 21. August wurde erstmals der Impfbus der Stadt eingesetzt. Zudem konnte das Impfzentrum am 13. August mit Impfungen im City-Point am Königsplatz beginnen. „Das war ein zusätzlicher Kraftakt für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie haben nicht nur das Impfzentrum an sieben Tagen die Woche betrieben, sondern zusätzlich den Bürgerinnen und Bürgern an verschiedenen Orten im Stadtgebiet ein niedrigschwelliges Impfangebot ermöglicht“, merkte Geselle an. „Und genau auf diese Flexibilität und Erfahrungen können wir jetzt zurückgreifen, wenn wir mit der Impfkampagne in eine neue Phase gehen.“

Impfkampagne geht nach Schließung des Impfzentrums weiter

Nach der Schließung der Impfzentren sollen vor allem niedergelassene Arztpraxen sowie die Betriebsärztinnen und –ärzte gegen das Coronavirus impfen. Die Stadt Kassel unterstützt die Ärztinnen und Ärzte dabei bis Ende des Jahres weiter. „Unsere mobilen Teams werden weiter in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie Behindertenheimen impfen. Außerdem können sich alle Bürgerinnen und Bürger, egal wo sie wohnen, weiter im städtischen Impfbus und im Kasseler City-Point am Königsplatz mit einer Impfung vor dem Virus schützen“, erläutert Geselle. Für die benötigte Logistik, das Ordern und Lagern der COVID-Impfstoffe, kooperiert die Stadt Kassel mit der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH). Mit den aus dem Impfzentrum Kassel gewonnenen Erfahrungen und dem weiteren Einsatz von bereits erfahrenem Personal sieht sich die Stadt in der Lage, diese Angebote im Sinne des Bevölkerungsschutzes und zur weiteren Steigerung der Impfquote erfolgreich weiterführen zu können.

Hintergrund

Dem einstimmigen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vom 28. Juni 2021 folgend ist eine Neuausrichtung der Nationalen Impfstrategie mit einer Schließung bzw. Reduzierung der Anzahl und Kapazität der Impfzentren und dem Übergang der Impfungen in die Regelstruktur vorgesehen. Für das Impfzentrum Aueparkhalle in Kassel bedeutet dies, dass der Standort am 30. September schließt.