Dauerausstellung "Juden in Kassel"
Die Dauerausstellung zur über 700-jährigen Geschichte der Jüdinnen und Juden in Kassel zeichnet die Geschichte jüdischen Lebens in der Stadt nach – von religiösen Traditionen und Alltag über gesellschaftliches Engagement bis hin zu Verfolgung und Shoah – und richtet gleichzeitig den Blick auf die Gegenwart.
Was ist in der Ausstellung zu sehen?
Im Mittelpunkt steht die Frage, was jüdische Identität heute ausmacht. Jüdische Identität ist ein Balanceakt zwischen Sichtbarkeit, Sicherheit, Teilhabe, Mitgestaltung und Erinnerung, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen persönlichen Erfahrungen und gesellschaftlichen Zuschreibungen.
Mit persönlichen Geschichten, aktuellen Stimmen und historischen Zeugnissen zeigt die Ausstellung, wie vielfältig jüdisches Leben heute ist und wie es sich in die Gesellschaft einbringt, ohne die eigene Geschichte zu vergessen. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, diese Entwicklung nachzuvollziehen, über Fragen von Identität und Zugehörigkeit ins Gespräch zu kommen und die lebendige Gegenwart jüdischen Lebens in Kassel zu entdecken.
displaced at home
Finnissage am Donnerstag, 13. August 2026 um 19.15. Gleichzeitig wird die neue Ausstellung "Wernissage - Werner Holländers Leben in Fotografien eröffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Anmeldung unter: gksara-nussbaum-zentrumde.
Die Ausstellung zum jüdischen Leben im 20. Jahrhundert in Kassel erkundet das Konzept der „Heimat“, mithilfe der Geschichten jüdischer Menschen in Kassel vor, während und nach der Shoa. Die Ausstellung beginnt mit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, und zeigt Exponate einer integrierten, respektierten jüdischen Gemeinde in Kassel. Der zunehmende Antisemitismus, als auch die Flucht und Deportation jüdischer Menschen in der Stadt und Umgebung werden vorgestellt.
Auch die jüdische Widerstandserfahrungen sind elementarer Teil der Ausstellung: Besonders die US‐Einheiten der Ritchie Boys und Monuments Men bestanden zu einem großen Teil aus jüdischen Soldaten. Den Abschluss der Ausstellung bilden Interviews mit ehemaligen jüdischen Einwohnern Kassels, die während des Holocausts geflohen sind und 2000 für die Einweihung der neuen Synagoge zurück nach Kassel kamen.
„Wernissage – Werner Holländers Leben in Fotografien“
Am 13. August 2026 wird eine Erweiterung der Ausstellung, „Wernissage – Werner Holländers Leben in Fotografien“, eröffnet.
Wer war Werner Holländer?
Werner Holländer wurde 1914 in Köln geboren. Er war Ingenieur und arbeitete ab 1941 bei Henschel in Kassel. 1943 wurde er vom Kasseler Sondergericht wegen sogenannter „Rassenschande“ zum Tode verurteilt und am 30. Mai 1944 im Alter von 29 Jahren hingerichtet.
Was ist in der Ausstellung zu sehen?
Die Ausstellung ist eine Würdigung des Lebens von Werner Holländer und zugleich dessen, was durch seinen frühen, ungerechtfertigten Tod verloren ging. Von Werner selbst sind kaum Briefe oder persönliche Aufzeichnungen überliefert. Umso wichtiger sind die Fotografien, die geblieben sind. Sie zeigen ihn als Kind und jungen Mann, seine Familie und seine Freund, aber auch die Welt, die er selbst mit seiner Kamera festhielt.
Die Aufnahmen, die der begeisterte Hobbyfotograf auf Reisen und im Alltag machte, zeigen Werner Holländer als lebensfrohen und unbeschwerten Menschen. Die Ausstellung zeigt erstmals in dieser Form Fotografien aus seinem Leben und bringt uns damit einen Menschen näher, von dem nur wenige eigene Worte geblieben sind. Die Originale befinden sich heute im United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C. Sie wurden dem Sara Nussbaum Zentrum für jüdisches Leben von Werners Großneffen Michael Jacobson gestiftet.
Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit unterstützt die Veranstaltung als Kooperationspartner.
Die Ausstellung ist noch bis Ende Oktober zu sehen. Es gibt keine regulären Öffnungszeiten, ein Besuch ist nach Vereinbarung möglich. Anfragen bitte per E-Mail an gksara-nussbaum-zentrumde
Über das Sara Nussbaum Zentrum
Das Sara Nussbaum Zentrum ist ein lebendiger Ort für jüdische Kultur und Geschichte in Kassel und steht allen Menschen offen. Das Kultur- und Ausstellungshaus bietet 350 Quadratmeter Raum für Wechselausstellungen, eine Dauerausstellung und für ein Veranstaltungs- und Bildungsprogramm mit Vorträgen, Diskussionen, Konzerten und Workshops.
Angebote für Gruppen
Für die Dauer- und Wechselausstellungen können Gruppen mit mindestens fünf und maximal 20 Personen von Montag bis Freitag individuelle Führungen buchen. Eine rechtzeitige Reservierung ist erforderlich. Die Kosten betragen 2 Euro pro Person für Erwachsene und 1 Euro pro Person für Kinder und Jugendliche.