Polioviren (Poliomyelitis)

Die als Kinderlähmung bekannte Erkrankung Poliomyelitis gilt in Deutschland seit langer Zeit als nahezu ausgerottet. Doch die hoch ansteckende Krankheit, die bei nicht oder nicht ausreichend geimpften Personen zu dauerhaften Lähmungen und auch zum Tod führen kann, gewinnt derzeit wieder an Bedeutung.

Aktueller Nachweis von Polioviren im Abwasser

Im Rahmen eines Forschungsprojektes wird seit mehreren Jahren das Abwasser an einigen Standorten Deutschlands auf Polioviren untersucht. Dabei wurden Ende 2024 zeitgleich an allen untersuchten Standorten (München, Bonn, Köln, Hamburg, Dresden, Düsseldorf und Mainz) Polioviren in Abwasserproben nachgewiesen.

Im Juli 2025 veröffentlichte das RKI aktuelle Untersuchungsergebnisse, bei denen von April bis Juni 2025 erneut Schluckimpfstoff-abgeleitete Polioviren im Abwasser mehrerer deutscher Städte nachgewiesen wurden. Darunter Dresden, Mainz, München und Stuttgart.

Bei den gefundenen Viren handelt es sich um vom Schluckimpfstoff abgeleitete Polioviren und nicht um den Wildtyp des Virus.

Schluckimpfungen werden seit 1998 in Deutschland nicht mehr verwendet und wurden durch einen inaktivierten Polioimpfstoff ersetzt. In manchen Ländern wird allerdings bis heute der Schluckimpfstoff eingesetzt, der sehr effektiv ist, bei dem jedoch abgeschwächte Impfviren mit dem Stuhl ausgeschieden werden können. Wenn sich diese Impfviren in der Umwelt genetisch so verändern, dass sie wieder krankmachen können, besteht die Möglichkeit, dass sich Menschen hierdurch mit dem Poliovirus infizieren, sofern kein ausreichender Impfschutz besteht.

  • Gesundheitsamt Region Kassel

    Beratung zu Infektions­krankheiten

    Ziel des Infektionsschutzes ist es, übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern.