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Mit dem Linienbus ins Jenseits

Vom 10. August bis 27. Oktober zeigt das Sepulkralmuseum eine Doppelausstellung: Mit dem Linienbus ins Jenseits - Fantastische Särge aus Ghana sowie die Särge und Urnen des Künstlers Martin Wenzel.

Mit dem Linienbus ins Jenseits

In den afrikanischen Kulturen nimmt der Tod einen zentralen Platz ein. Besonders in Ghana wird er als ein herausragendes Ereignis begriffen. Ausdruck findet dies in einer opulenten, meist mehrere Tage umfassenden Begräbnisfeier, wie es sie kaum woanders auf der Welt gibt. Oftmals ist sogar der Sarg – farblich und formensprachlich – herausragend. Einer Chilischote, einem Tiger, einem Hobel oder einem Bus nachempfunden, ist er ein wahrer „Hingucker“! Er spiegelt wider, was im Leben des Einzelnen wichtig war und was ihn ausmachte.

Zugleich bildet er ein wichtiges materielles Bindeglied zwischen der Welt der Lebenden und der Welt Toten; denn obwohl viele Ghanaer Christen sind, ist ihre Frömmigkeit stark von einem archaisch geprägten Ahnenkult durchdrungen. Sie glauben, dass die Verstorbenen eine Verbindung zwischen den Lebenden und den "Ahnengeistern" herstellen. Die Ahnengeister gelten als wirkmächtig und können Einfluss auf die diesseitige Welt ausüben. Deshalb ist die Ausrichtung eines glanzvollen Begräbnisses, bei dem der Sarg bisweilen nicht minder imposant ausfällt, auch an die Intention geknüpft, bei ihnen nicht in Ungnade zu fallen. Sich die Gunst der Ahnen immer wieder aufs Neue zu sichern, soll sie davon abhalten, Unheil auszusenden.

Särge und Fotografien

Interessant ist bei all dem, dass die Tieren, Pflanzen, Gebäuden, Alltags- und Gebrauchsgegenständen nachempfundenen Särge keineswegs schon immer im Totenkult der Ghanaer verankert waren und somit alles andere als traditionell sind. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts begannen sie sich zu etablieren.

Im Dezember 2018 wurden dem Museum für Sepulkralkultur 28 dieser figurativen Särge als Schenkung übergeben. Mit der Sonderausstellung, die eine Auswahl daraus repräsentiert, haben Sie die Gelegenheit, einen Eindruck von diesem besonderen Sargtypus zu gewinnen.

Begleitend sind Fotografien der Ethnologin Regula Tschumi zu sehen. Sie geben Einblick in eine Kultur, die – aus christlich-abendländischer Sicht – im Umgang mit dem Verlust großes kreatives Vermögen erkennen lässt. 

Interventionen

"Wenn Du über mich lästern willst, dann nimm Dir lieber einen Stuhl und setz Dich zu mir!“ (Titel eines populären afrikanischen Waxprint Stoffes)

Der in Frankfurt lebende Künstler Martin Wenzel zeigt Särge und Urnen, die von einem Arbeitsaufenthalt in Ghana 2017 im Atelier des Sargbauers Kudjoe Affutu inspiriert wurden. Seine Arbeiten stellen einen ironischen, witzigen, aber auch provokanten Kommentar zu unserem Bestattungswesen dar. Der interkulturelle Austausch wurde durch ein Stipendium der Hessischen Kulturstiftung gefördert.

Lesung am 8. Oktober

Am Dienstag, 8. Oktober, ist der nordhessische Krimiautor Matthias P. Gibert mit seinem neuesten Kasselkrimi zu Gast im Museum für Sepulkralkultur. Los geht es um 19 Uhr.  

Zwischen Leichenwagen, Urnen und Grabsteinen liest er aus „Tödlicher Betrug", der im Juli diesen Jahres erschienen ist. Das sepulkrale Ambiente passt hervorragend zum Mordfall, der sich rund um den Abgasskandal im VW-Werk Baunatal abspielt: Erschweren nicht nur die Werksleitung und Belegschaft die Ermittlungsarbeit; auch die rechtlichen Rahmenbedingen und modernen Verfahrensweisen der Feuerbestattung stellen die Kasseler Kommissare Thilo Hain und Pia Ritter vor kaum lösbare Probleme. 

Die Lesung ist der Auftakt der Kooperation zwischen dem Museum für Sepulkralkultur und der Hochschule der Polizei und Verwaltung. 

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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